Weil Pferdezucht eine Herzensangelegenheit ist

Am Samstag, 8. Februar, fand die 30. PB-Schau Hannoveraner Privathengsthalter in Verden statt. Zahlreiche Züchter und Pferdefreunde nahmen in der gut besuchten Niedersachsenhalle Platz und verfolgten die dreieinhalbstündige Schau.

Für Pferdezüchter ist es wohl der schönste Moment, wenn ein Fohlen gesund zur Welt kommt. Bis dahin ist es ein langer Weg, an deren Anfang die Auswahl des Hengstes steht. Was bringt meine Stute mit, was muss der Hengst ausgleichen? Welche Blutlinie ist erfolgsvorsprechend? Bleibe ich ich bei Altbewährtem? Wähle ich einen Hengst, der seine Zuchtleistung bereits mit erfolgreichen Nachkommen untermauern konnte oder setze ich auf einen Junghengst, der mit großartiger Eigenleistung als Sporthengst begeistert? Das sind Fragen, die sich Züchter jedes Jahr zu Beginn der Zuchtsaison stellen. Dabei ist 1 + 1 nicht immer 2. Eine Gleichung, die jeden Mathelehrer zur Verzweiflung bringen würde, ist im Bereich der Zucht meist ganz alltäglich. Hinter dieser einfachen Wahrheit aber steht ein kompliziertes Geschehen, bei dem die Suche nach der optimalen Anpaarung eine entscheidende Rolle spielt. Und häufig bleibt ein Faktor auf der Strecke: Das eigene Bauchgefühl. Zuchtentscheidungen haben auch was mit dem eigenen Geschmack zu tun. Manchmal ist man einfach in das Interieur eines Hengstes verliebt und schon seit Jahren möchte man ein Fohlen von ihm. Seinen Traumhengsten ganz nah sein konnte man bei der PB-Schau 2020.

Die Zuchtsaison 2020 hat bereits begonnen und die 30. PB-Schau der Hannoveraner Hengsthalter ist seit Jahren eine geeignete Möglichkeit, bei züchterischen Entscheidungen zu unterstützen. So auch am vergangenen Samstag. Die Zuschauer folgten der Einladung und sahen erstklassig herausgebrachte Hengste bei der großen Privathengstschau in vollem Haus. Denn wo sonst treffen mehr als 57 Hengste aus aktuellen internationalen Leistungslinien so geballt aufeinander? Vielfach sind sie sporterprobt bis zur allerhöchsten Klasse und feierten bereits umjubelte Auftritte in Viereck und Parcours. Namhafte Privathengsthaltungen wie die Gestüte Schafhof, Pape, Tebbel, W.M. und Klosterhof Medingen zeigten ihre Star-Vererber dem zuchtinteressierten Publikum in ganz besonderen Schaubildern bis zum Grand-Prix-Niveau. Internationales Flair brachte der Hengst Escolar in die Niedersachsenhalle, der mit seinem Reiter, Reitmeister Hubertus Schmidt, locker und souverän Lektionen der Königsklasse demonstrierte. Escolar wurde vom DOKR in den Olympiakader berufen und erhielt in Stuttgart den „Otto-Lörke-Preis“ als bestes deutschesGrand-Prix-Nachwuchspferd.

Weltmeisterlich war auch der Auftritt vom Glamourdale. Der neunjährige Rapphengst stand schon im Vorfeld hoch in der Gunst der Züchter und verzauberte die Besucher durch eine imposante und zugleich lockere und taktsichere Vorführung. Dieses war nur noch durch die Demonstration seiner hohen Versammlungsbereitschaft zu toppen. Beeindruckende Passagen und stets bergauf gesprungene Pirouetten ließen für Glamourdale und seine Reiterin Charlotte Frey Szenenapplaus regnen. 2018 wurde das Paar zum Weltmeister dersiebenjährigen Dressurpferde gekürt.

Auch die großen Zukunftshoffnungen in der Hannoveraner Zucht standen im Rampenlicht.Präsentiert wurden sowohl die jahrgangsbesten vierjährigen Hannoveraner Hengste mit absolvierter Hengstleistungsprüfung als auch dreijährige Hengste aus dem Prämien-Lot 2019, die auf der Hannoveraner Körung in aller Munde waren. Insgesamt acht Junghengstewurden mit dem Stakkato- und Weltmeyer-Preis ausgezeichnet. Zuchtleiter des Hannoveraner Verbandes, Ulrich Hahne, ehrte die Züchter und übergab die Auszeichnungen. Gleich zwei der begehrten Preise gingen an Burkhardt Wahler vom Klosterhof Medingen. Er erhielt den Stakkato-Preis für seinen Springhengst Karajan v. Kannon x Verdi und den Weltmeter-Preis für seinen Dressurhengst, den Bundeschampion Damaschino v. Danone x Fidertanz. Ebenfalls ausgezeichnet wurden folgende Hengste:

Stakkato-Preis

Chilano Blue v. Chacco's Son I x Carenzo vom Gestüt Burghof

Weltmeyer-Preis

Zoom v. Zack -Don Schufro vom Landgestüt Warendorf

Vivino v. Vivaldi x Dancier von Helgstrand Germany

Danciero v. Dancier x Floriscount von Helgstrand Germany

Bailador v. Fenicio x Florencio vom Gestüt Birkhof

Aber es sind nicht nur die Präsentationen der Hengste unter dem Sattel, die die Privathengstschau immer wieder zu einem Erlebnis machen. „Hier stimmt das Gesamtkonzept“, berichten Züchter, die es sehr schätzen, sich beim traditionellen Klönschnack sich auf der Stallgasse mit den Hengsthaltern und Reitern zu unterhalten, die Hengste in den Boxen zu besuchen und mit Züchterkollegen und Pferdefreunden sich über die Zuchtrends 2020 auszutauschen. „Uns ist die Nähe zu den Züchtern sehr wichtig“, unterstreicht auch Norbert Bramlage, 1. Vorsitzender des Verein Hannoveraner Privathengsthalter e. V. und freut sich über die hohen Besucherzahlen.

Austausch und Kommunikation gab es auch bei der Podiumsdiskussion, die vor der Schau im Forum der Niedersachsenhalle unter dem Thema: Tierwohl im Fokus - Jungpferde bei Körungen, Auktionen und Hengstleistungsprüfungen stattfand. Referenten waren Dr. HenrikeLagershausen von der FN und Wilken Treu, Geschäftsführer vom Hannoveraner Verband. Durch die offene Diskussionsrunde führte Ute Fisser-Hülsmann. Ca. 100 Züchter nahmen aktiv an der Diskussionsrunde teil und nahmen als Fazit mit nach Hause: „Jetzt handeln unddie Zukunft unserer Pferdezucht mitgestalten“

Auch für lustige Unterhaltung wurde gesorgt. „Wer die PB-Schau kennt, der weiss, dass sich die Veranstalter jedes Jahr was ganz Besonderes einfallen lassen und eine hochkarätigen Showaxt einladen. In diesem Jahr sorgten die „The Horsemen“ für Entertainment. Eine Show, die Performance und Komik vereint. Drei kluge französische Reiter auf Stock-Pferden demonstrierten ihr Training, um sich für die nächsten Olympischen Spiele vorzubereiten. Auch wenn sie manchmal ein bisschen lächerlich sind, behalten sie immer „Die französische Haltung“

Foto: Glamourdale von Lord Leatherdale x Negro mit Charlotte Fry.Fotonachweis: Marianne Schwöbe